Die Vogelsburg bei Vogelbeck

Lageplan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Vogelsburg ist eine Befestigungsanlage auf einer 262 m hohen, fortifikatorisch günstig gelegenen Bergkuppe, oberhalb des rechten Leineufers. Sie besteht aus zwei umlaufenden Wällen mit vorgelagerten Gräben, die noch deutlich zu sehen sind. Im Nordosten der Ringwälle, wo ein leichter Zugang zum Burggelände möglich war, liegt als zusätzliche Sicherung ein 100 m langer Abschnittswall, der in der Mitte durch ein Tor unterbrochen wird.

Südlich dieses Abschnittswalles liegt ein bronzezeitliches Hügelgrab. Leider wurde es schon in älterer Zeit von Grabräubern geplündert.

 

Der Innenwall mit einer heutigen Sohlbreite von 10 m und einer Höhe von 2,5 m umschließt die Bergkuppe mit einer Fläche von ca. 0,86 ha. Dieser Wall enthielt ursprünglich aus eine Trockenmauer aus unbehauenen Sandsteinen. Ein Gerüst aus Holzpfosten und Querstrebungen in regelmäßigen Abständen bildete das Grundgerüst für eine zweischalige Holzmauer gefüllt mit Erde und Steinschutt.

 

Der Außenwall mit seiner Dreieckform und den Maßen 215 X 252 X 242 m, lässt uns ahnen welche enorme Bauleistung hier vollbracht wurde. Gern wird bei Führungen auf der Burg an dieser Stelle gesagt, dass die Wallanlage doch mit primitiven Werkzeugen und Hilfsmitteln aufgebaut wurde. Das kann aber so nicht gelten, denn die Menschen haben mit Sicherheit, die zu Ihrer Zeit bestmöglichen und modernsten Geräte zum Einsatz gebracht. Die Größe der Wallanlage lässt auch den Schluss zu, dass es im Umkreis der Anlage einige noch unbekannte Siedlungsplätze aus der Erbauungszeit dieser Fluchtburg geben muss. Dieser Außenwall umschließt eine Fläche von 3,54 ha. Die Sohlbreite beträgt 15,5 m die Höhe 6,5–7 m, die größte Tiefe des vorgelagerten Grabens betrug 3 m. Der Wall besitzt heute 3 künstlich angelegte Einschnitte, von denen wahrscheinlich nur der östliche Zugang in die ältere Bauphase fällt.

 

Der äußere Wall besaß eine Frontverblendung in Form einer Pfosten – Schlitz – Mauer.

Rekonstruierte Ansicht einer Pfostenschlitzmauer

 

In der Mauerfront waren Holzpfosten sichtbar, die mit einer zweiten Pfostenreihe rückwärts verankert und mit Erdreich angefüllt, eine mechanische Zerstörung fast unmöglich machten. Dennoch, Brandspuren zeigen an, dass die erste Anlage durch Feuer zerstört wurde. Mauern dieser Art sind seit der späten Hallstattzeit (ca. 400 v. C.) und frühen Latènezeit in Mitteleurpa bekannt.

Der Zeitpunkt der ersten Zerstörung der Ringwälle ist nicht näher bestimmbar. Bei der zweiten Bauphase wurden die Ringwälle um ca. 1 m erhöht, ohne dass die Gräben erneuert wurden. Steinerne Brustwehren wurden auf der Wallkrone errichtet, deren Fundamente stellenweise geblieben sind. In den Wällen gefundene Scherben zeigen an, dass auf dieser Bergkuppe eine eisenzeitliche Besiedlung stattgefunden hat. Es ist wahrscheinlich, dass es sich bei der eisenzeitlichen Besiedlung der Bergkuppe, ebenfalls um eine Befestigungsanlage oder Fluchtburg gehandelt hat, deren Spuren beim Bau dieser Anlage zerstört wurden.

 

Datierung der Burg

Die Fläche im inneren Wall der Burg ist noch nicht erforscht.

Die im Außenwall gefundene Mauer lässt sich aufgrund ihrer Bauweise zeitlich nicht genau einordnen. Pfostenschlitzmauern gibt es seit etwa 400 vor Christi Geburt. Sie traten auch im frühen Mittelalter auf. Parallelen zu der Frontmauer des Innenwalls bei denen die Doppelpfosten in der Mauer und nicht in offenen Schlitzen standen , sind den Archäologen nicht bekannt. Auch die mit Brustwehren versehenen Erdwälle der zweiten Bauphase lassen eine präzise zeitliche Bestimmung nicht zu.

14C Analysen datieren die Erbauungszeit (1. Bauphase) der Vogelsburg in die Zeit 670-850 n. Ch. Die vorgeschichtliche Keramik aus den Wällen der Vogelsburg kann der Späthallstatt- oder jüngeren Latènezeit zugeordnet werden, kann auch aus beiden Perioden stammen, dieses lässt sich nicht eindeutig sagen.

 

Hier zeigt sich aber, das die Bergkuppe mindestens seit der Spätlatènezeit befestigt war. Alle in der Nähe der Vogelsburg entdeckten eisenzeitlichen Siedlungen befinden sich nicht auf Bergkuppen, sie liegen in Hanglage Richtung Süd- Südwest zur Leine oder ihren Nebenflüssen.

Es sind dies: Das „Jeinserfeld“ bei Vogelbeck, welches Fahlbusch 1913 entdeckt und wo er 1933/34 als Grabungsleiter archäologische Ausgrabungen durchführte. Das „Jeinserfeld Nord“ wahrscheinliche eine weitere Siedlung der Eisenzeit, da sich zwischen diesen beiden Siedlungsplätzen ein fasst fundleerer Raum befindet. Die Siedlung „Auf dem Nahwege“ bei Vogelbeck wurde 1983 entdeckt und im darauf folgenden Jahr unter der Leitung von Matthias D. Schön M. A. und von Frau Werben Einbeck ausgegraben.

Mehrere zusätzliche nahegelegene eisenzeitliche Siedlung liegen bei Hohnstedt und Salzderhelden. Daraus sollte man schließen können, dass die eisenzeitliche Keramik in oder unter den Wällen der Vogelsburg auf eine Befestigungsanlage hinweist.

 

Bisher nachgewiesene Siedlungen im Umkreis der Vogelsburg, die auf eine Bevölkerungsdichte schließen lassen, mit der es möglich gewesen wäre ein Bauwerk wie die Vogelsburg zu errichten gibt es bisher nur während der Spätlatènezeit (um Chr. geb.)

 

Denkbar wäre auch, dass die zweite Bauphase in die Zeit Heinrich I. (876 – 936) fällt. Dieser errichtete während seiner Regierungszeit mehrere Burgen und Wallanlagen gegen die aus Osten einfallenden slawischen Heere.

Wie überliefert hat ja der Sachsenherzog Heinrich (875 – 936) aus dem Geschlecht der Liudolfinger auf der Vogelsburg die Kunde erhalten, dass er zum Deutschen Kaiser (919 – 936) ernannt wurde

 

1954 schreibt Dr. Geschwendt in seinem Buch über die Ur- und Frühgeschichte des Kreises Einbeck: Diese Erdburg gehört überhaupt zu den eindrucksvollsten Anlagen in Niedersachsen aus frühgeschichtlicher Zeit, an die sich in auffallender Weise sehr zahlreiche Sagen knüpfen.

 

Literatur:

Prof. Dr. KAHRSTEDT - Göttingen. Die Kunde Jg. 1. Hannover im Dezember 1933 Nr. 7/8 S. 1-3.

Ders.: Die Kunde 2, Hannover im Juli/Heumond 1934 S. 44 - 49.

Ders.: Die Kunde 3, Hannover 1935, S93 - 98.

Ders.: Die Kunde 3, Hannover 1935, S. 98 - 101.

W. SCHLÜTER Die Vogelsburg bei Vogelbeck (Kreis Northeim Einbeck 1978)

Studien zur Einbecker Geschichte Herausgegeben vom Stadtarchiv und Städtischen Museum

Einbeck

Ders.: Die Vogelsburg. Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 17, 1970, S. 42 - 49.

Dr. GESCHWENDT Die Ur- und Frühgeschichte des Kreises Einbeck

 

Bald nach dem Tode Heinrichs I. begann der Volksmund den Sagenkranz um die Vogelsburg zu flechten und zu schlingen.

"Heinrich, ein Fürst im Sachsenland, der Erst, das Reich in meiner Hand gegeben ward und mir vertraut; Die Stauffenburg hab ich gebaut, Goslar, Gittelde und Quedlinburg, die Wahl mir auf der Vogelsburg vermeldet ward, nach rechter Art die Kron mir angeboten ward."

 

alt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Vogelherd der Vogler sitzt, im Herzen frohen Mut

denn droben auf der Vogelsburg der Vogelfang steht gut.

Zu Scharen fall`n die Vögel ein, vor allem ist`s der Fink;

doch auch die Drossel heute gern ins Schlaggarn arglos ging.

Drob freuet sich der Herzog sehr und spricht:

„Heut hab ich Glück, nie besseren Zug wohl tat ich je –

denk ich auch weit zurück. Gib Segen, Herrgott, immerdar,

gib Kraft auch meiner Hand, dass ich mit Weisheit,

Güt` und Macht regier mein Sachsenland!"

Dann horcht er auf. Dringt Waffenklang nicht deutlich an mein Ohr?

Und dröhnt nicht Hufschlag auf?

Ist`s einer, der mir Fehde schwor?

Und hurtig springt der Vogler auf, sein Schwert ließ er im Schloss.

Allein schon hält der Reitertrupp vor ihm mit seinem Tross.

 

Jetzt Heinrich ruft mit heller Stimm`:

„Welch Glück und hohe Ehr!

Des Reiches Fürsten vor mir seh` – grüß Gott! – was führt euch her?

“ Da jauchzend schallt s aus aller Mund: Heil Kaiser Heinrich dir!

Des Reiches Kron` wir setzen sie dir auf das Haupt zur Zier.

Mit starker Hand die Zügel greif und schütze du das Land!

Wir trauen auf dich, du bist der Mann, der uns von Gott gesandt.

Und schickst du uns den Heerpfeil zu und rufst den Heerbann auf,

dann folgen wir dir ohn` Verzug und ziehen mit dir zuhauf.“

Der Herzog hört es, sinnt und ruft

„Wohlan, ihr edlen Herrn, ists Gottes und der Fürsten Will`,

weih ich dem Reich mich gern!

Allein nach Salbung und nach Kron` steht nimmer mein Begehr;

auch König sein im deutschen Reich ist schon - zuviel der Ehr!

Doch nun folgt mir in meine Burg und haltet gute Rast,

auch Speis und Trank es nicht gebricht, ich lade euch zu Gast“.

Nicht lang – so sitzt die Reiterschar wohl auf der Burg beim Mahl;

den Becher hebt man oft zum Mund und preiset Heinrichs Wahl.

 

Sagen und Märchen über die Vogelsburg:

  1. Was die Ahlshäuser Musikanten auf der Vogelsburg erlebten
  2. Von golden Waiten auf der Vogelsburg
  3. Die weiße Jungfrau
  4. Das Wiesel und die goldenen Ringe
  5. Der witte Mann von der Vogelsburg
  6. Der unheimliche Geist auf der Vogelsburg
  7. Herzog Heinrich von Sachsen auf der Bärenjagd und seine Errettung im Kampfe mit einem Bären
  8. Die Sprinkelsgrund
  9. Die Sprinkelsgrund Schlupfwinkel von Nixen und Zwergen
  10. Der Zwerg und der Holzhauer
  11. Der gütige Zwerg und der Beerengänger
  12. Der Hirt Wessel und der Zwerg
  13. Die Nixen beim Pfingsttanze auf der Vogelsburg
  14. Der Brandesbrunnen (Quellebereich der Vogelbeeke)
  15. Der Mondreigen der Waldnixen am Brandesbrunnen
  16. Der Nixengreis und seine Töchter
  17. Die Liebe überwand den Berg am Ende durch den guten Zwerg
  18. Der verwunschene Rabe
  19. Wunderbare Rettung im Unwetter
  20. Übermut tut selten gut
  21. Der dich behütet schläft und schlummert nicht
  22. Der Eseltreiber und das Goldfeuer
  23. Einen Wald für einen Schimmel

 

Reinhard Kopp

Teichstr. 7

37574 Einbeck/Vogelbeck